Ist DStR Pflichtlektüre für Steuerberater?

Der Beck-Verlag wirbt für seine Zeitschrift “Deutsches Steuerrecht” wie folgt:
BGH-Urteil bestätigt:
DStR ist Pflichtlektüre
für Steuerberater.*
 
* BGH, Urteil vom 25.9.2014, IX ZR 199/13,
LG Bonn, Urteil vom 27.5.2008, 15 O 467/07
Solche werbende Bezugnahmen auf Urteile (und überhaupt Bezugnahmen auf Urteile) sollte man überprüfen. “Werben” der BGH und das LG Bonn wirklich in dieser Form für die Zeitschrift “Deutsches Steuerrecht” als “Pflichtlektüre”?

Der BGH tut dies nicht. Denn er bemerkt zu den einschlägigen Fachzeitschriften, welche ein Steuerberater auszuwerten hat, folgendes:

Welche Zeitschriften dies sind, hat der Senat bisher offen gelassen. Die Frage bedarf auch im vorliegenden Fall keiner Entscheidung. In Betracht kommen vor allem das vom Bundesfinanzministerium herausgegebene Bundessteuerblatt und die von der Bundessteuerberaterkammer herausgegebene Zeitschrift “Deutsches Steuerrecht”.

 (BGH, Urteil vom 25. September 2014 – IX ZR 199/13 –, Rn. 14, juris)
 
Dass die Zeitschrift “Deutsches Steuerrecht” neben dem Bundessteuerblatt als eine Zeitschrift genannt wird, die in Betracht kommt, macht sie noch nicht zur Pflichtlektüre. Außerdem wird die Frage ja offen gelassen. Und der Zusatz “vor allem” macht deutlich, dass auch weitere Zeitschriften in Betracht kommen.
 
Entschiedener äußert sich das LG Bonn:

Man kann deshalb von ihm [dem Steuerberater, M.H.] regelmäßig nur verlangen, die Entscheidungen zur Kenntnis zu nehmen, die im Bundessteuerblatt und in der Zeitschrift Deutsches Steuerrecht – dem Organ der Bundessteuerberaterkammer – veröffentlicht worden sind […].

(LG Bonn, Urt. v. 27.05.2008, 15 O 467/07, DStRE 2009, 253)

Also: Die *-Fußnote in der Beck’schen Werbung müsste hinsichtlich der Bezugnahme auf die genannte BGH-Entscheidung korrigiert werden.

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