So geht Strafrecht: Mein persönlicher Favorit für den Allgemeinen Teil

Es gibt viele nützliche Strafrechts-Lehrbücher, aber nur eines, das ich mit Begeisterung gelesen und durchgearbeitet habe. Deshalb soll hier das Loblied eines Lehrbuchs zum Allgemeinen Teil des Strafrechts gesungen werden, das mich vom ersten Semester bis zur ersten juristischen Prüfung begleitet hat. Ich berichte also sozusagen über ein Langzeitexperiment.

Das Buch hat in der aktuellen 5. Auflage 716 Seiten, wiegt (selbst gewogen) 1115 Gramm und kostet 52 Euro, also 7,3 Cent pro Seite (noch günstiger wird der Seitenpreis, wenn man die Seiten mehrmals liest) und 4,7 Cent pro Gramm. Und das Geld ist das Buch nun wirklich wert.

promo-virenDie Rede ist von:

Bernd Heinrich, Strafrecht – Allgemeiner Teil

Studienreihe Rechtswissenschaften

5., aktualisierte Auflage 2016

Kohlhammer-Verlag, Stuttgart

ISBN: 978-3-17-031057-5

Worin liegen die Stärken des Buches?

In die systematische Darstellung eingearbeitet sind jeweils kleine Beispielsfälle. So bleiben die strafrechtlichen Probleme nicht abstrakt, sondern werden anschaulich. Das ist besonders wichtig, weil die Probleme in Klausuren nur gefunden werden können, wenn ein konkretes, fallbezogenes Problembewusstsein besteht. Unter der Kategorie „Beispiele“ finden sich nicht nur Fälle, sondern auch Anwendungsbeispiele für abstrakte Begriffe. Auch dies ist jeweils ein Schritt in Richtung Verständlichkeit.

Die Fußnoten sind im Großen und Ganzen kompakt gehalten. Sie erweisen ihre Nützlichkeit, wenn man beispielsweise bei einer Hausarbeit einen Meinungsstreit vertieft behandeln muss.

Besonders hilfreich waren für mich die Anhänge:

Anhang I: Aufbau- und Prüfungsschemata

Anhang II: Problemschwerpunkte

Anhang III: Definitionen

Diese Anhänge eignen sich zum kompakten Wiederholen und somit auch zur Klausurvorbereitung. Die Aufbau- und Prüfungsschemata kommen zwar auch im Text vor, das sie jedoch hier noch einmal gesondert zusammengestellt werden, erleichtert selbstverständlich die Wiederholung. Außerdem wird dadurch ein vergleichender Blick zwischen verwandten Prüfungsschemata möglich, was dem systematischen Verständnis sehr dient.

Bei den Problemschwerpunkten sind die zur Problemlösung jeweils vertretenen „Theorien“ knapp charakterisiert und mit einem Namen versehen. Ich habe diese 41 Streitstände vom ersten Semester bis zur mündlichen Prüfung im Examen immer wieder durchgearbeitet und kann bestätigen, dass die gewählte Darstellung sich gut einprägt. Allerdings gäbe es da noch einen Verbesserungswunsch. Im Text des Buches werden zu jeder Theorie die Argumente vorgestellt, die dafür oder dagegen sprechen. Wenn man die Problemschwerpunkte im Anhang durcharbeitet, muss man jeweils im Buch zurückblättern, um diese Argumente zu finden. Es wäre eine Erleichterung, wenn diese Argumente auch in der abschließenden Übersicht stichwortartig auftauchen würden.

Da Definitionen in der Klausurlösung ein wichtiger Schritt bei der Subsumtion sind, ist auch die Definitonsliste eine gute Unterstützung beim Einprägen dieser wesentlichen Bausteine. Schön wäre es jedoch, wenn man das Layout leicht verändern könnte. So wie die Liste gedruckt ist, kann man das Definiens nicht abdecken. Für die Selbstabfrage wäre dies freilich sehr nützlich. Man würde sich also ein Layout wie bei den Problemschwerpunkten (auch hinsichtlich der Schriftgröße) wünschen. Wenn man diesen Vorschlägen folgt, würden zwar einige wenige Seiten hinzukommen, aber der Lernkomfort würde deutlich vergrößert.

Beim Lernen mit kleinen Fällen spielt die Namensgebung für die handelnden Personen eine wichtige Rolle. Wenn man die Fälle im Buch der Reihe nach studiert, entsteht eine gewisse Vertrautheit mit den wiederkehrenden handelnden Personen. Allerdings stellt man sich dann einige Konsistenz- und Verständnisfragen, wie zum Beispiel:

– Wie kann der offensichtlich hochkriminelle Anton Richter werden (Rn. 672)? Seine Ernennung ist ja nur aus formellen Gründen nichtig.

– Bruno’s Verhältnis zu Anton ist ziemlich widersprüchlich: Mal ist Bruder (Rn. 621), mal Freund (Rn. 628), mal Feind (z.B. Rn. 737, Rn. 780). Mal arbeitet er kriminell mit Anton zusammen (Rn. 804), mal taucht er als Anton’s Widersacher im kriminellen Milieu auf (Rn. 839). Und schließlich ist er Tötungsbemühungen von Anton ausgesetzt (z.B. Rn. 634, 647) und wird auch getötet (Rn. 694), nicht ohne danach wieder aktiv in’s Geschehen einzugreifen (z.B. Rn. 719).

– Tragisch ist die Rolle von Anton’s Ehefrau Berta, die gleich mehrfach zu Tode kommt (z.B. Rn. 725, Rn. 766, Rn. 814).

Wahrscheinlich sollen aber die Fälle gar nicht als fortlaufende Geschichte gelesen werden. Wenn man sich jedoch einmal an die handelnden Personen gewöhnt hat, ist die Versuchung zu einer solchen kontinuierlichen Lektüre doch sehr groß.

Fazit: Trotz der ausgesprochenen Verbesserungswünsche und der kleinen Nörgelei zum Thema „Personal“ fällt die Bewertung eindeutig aus.

Es handelt sich um ein Werk nahe an der Perfektion.

Bewertungsvorschlag: sehr gut = 17 Punkte [:-)].

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