§ 211 StGB: Heimtücke

Um das Mordmerkmal der Heimtücke ging es ja bereits in einem älteren Blog-Beitrag. Heute soll ein dort nicht näher thematisierter Aspekt beleuchtet werden.

In der Lösung zur Klausur Nr. 393 des Assessorkurses Rheinland-Pfalz von Hemmer heißt es auf Seite 1:

Tatbezogene Mordmerkmale kommen in dem vorliegenden Fall allerdings nicht ernsthaft in Betracht.

Insbesondere kann man die versuchte Tötung des B nicht heimtückisch nennen. Denn heimtückisch handelt nur, wer die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers ausnutzt. Hiervon wird man aufgrund des vorangegangenen Streits zwischen C und B aber nicht ausgehen können.

Wie könnte man die Definition der Heimtücke hier präziser formulieren?

Genau, es geht um das Verhältnis zwischen der Arglosigkeit und der Wehrlosigkeit, die für eine heimtückische Tötung notwendig sind. Es genügt nämlich nicht, dass das Opfer bloß arg- und wehrlos ist. Vielmehr muss die Wehrlosigkeit auf der Arglosigkeit beruhen. Das kann man gleich in der Definition zum Ausdruck bringen, zum Beispiel wie folgt:

Denn heimtückisch handelt nur, wer die auf Arglosigkeit beruhende Wehrlosigkeit des Opfers ausnutzt.

Und so sieht das dann auch Bernd Heinrich, der die Definition allerdings noch weiter anreichert:

Heimtücke: Bewusste Ausnutzung der auf Arglosigkeit beruhenden Wehrlosigkeit des Opfers in feindlicher Willensrichtung (nach der
Mindermeinung: unter Ausnutzung einer besonderen Vertrauensstellung).

Die soeben verlinkte Übersicht von Bernd Heinrich eignet sich im Übrigen ideal, um die Definitionen der verschiedenen Mordmerkmale zu lernen. Bei der Gelegenheit kann ich auch alle sonstigen Übersichten von Bernd Heinrich empfehlen (und natürlich auch sein Lehrbuch zum Allgemeinen Teil). Bernd Heinrich fasst in seinen Übersichten immer die wichtigsten Informationen zu den einzelnen Straftatbeständen zusammen – mit allen Problempunkten, die man für Klausuren kennen sollte.

2 comments

  1. Thomas Hochstein sagt:

    „Vielmehr muss die Arglosigkeit auf der Wehrlosigkeit beruhen.“

    Wie Sie dann ja später richtig schreiben: andersherum.

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